Donnerstag, 15. Dezember 2011

Opeth - 29.11.2011 - Wien (Gasometer)

Ostern und Weihnachten fallen ja im Allgemeinen höchst selten auf den selben Tag. Sprichwörtlich verwendet kann das aber schon mal vorkommen. Ich war mit zwei sehr lieben Freunden bei einem Konzert von Opeth bei dem als Vorgruppe "Pain of Salvation" gespielt haben. Das nenne ich mal einen Konzertabend. Jede der beiden  Bands für sich alleine genommen wäre für mich schon ein Grund, eine kleinere Reise anzutreten um sie sehen zu können, beide gemeinsam in Wien...nun ja, ich hab' ja schon erwähnt, wie ich das finde...
Pünktlich auf die Minute eröffnen Pain Of Salvation den musikalischen Abend und legen mit einer Weltklasse-Performance die Latte für Opeth recht hoch. Ich habe POS schon mal als Headliner bei einem Konzert in Wien erlebt und hatte recht hohe Erwartungen an die Schweden-Kombo, die wieder mal voll erfüllt wurden. Einfach spitzenmäßig...
Nach einer knappen dreiviertel Stunden (die Jungs hätten ruhig noch ein, zwei Stunden spielen können, wenn's nach mir gegangen wäre, dafür nehme ich sogar die Rückenschmerzen vom Stehen in Kauf) war dann leider Schluss und die Bühne wurde für Opeth umgebaut.
Nach einer knappen halben Stunde betraten dann die Musiker die Bühne und lieferten ein wunderbares Konzert ab. Mikael Åkerfeldt - das musikalische Mastermind von Opeth - begann seine musikalische Karriere mit Death Metal, bei denen die Genre-üblichen Growls natürlich nicht fehlen durften. Auf dem letzten Album "Heritage" sind aber überhaupt keine mehr zu finden, was mich nicht stört, weil ich Opeth nicht wegen, sondern trotz der Growls mochte, und der musikalische Stil lässt sich nicht wirklich leicht einer bestimmten Richtung zuweisen. Am ehesten könnte man noch Schublade "Progressive Metal" verwenden, aber wer die Musik von Opeth kennt, der weiß, dass das viel zu simpel ist, die Bezeichnung Progressive-Melodic-Folk-Jazz-Metal wäre da schon angebrachter. Keine simplen Double-Bass-Gitarren-Schredder-Scream-Orgien sondern vertrackte Rhythmen, schräge Harmonien und ungewöhnliche Akkorde, atemberaubende Dynamikwechsel, ein äußerst symphatischer Bandleader, der zwischen den Nummern mit dem gutgelaunten Publikum plauert und natürlich seine exzellenten Musikerkollegen machen den Abend zu einem besonderen Erlebnis. Sowas hätte ich gerne öfter....

Mittwoch, 30. November 2011

YES - 27.11.2011 - Wien (Konzerthaus)


Am Sonntag durfte ich wieder einmal eine meiner Lieblingsbands live erleben (zum sechsten oder siebten Mal?), diesmal allerdings erstmals ohne ihren Sänger Jon Anderson. Der hat gesundheitliche Problem und wird seit 2008 durch Benoit David, den Sänger der kanadischen YES-Coverband "Close To The Edge" vertreten. An den Keyboards werkt ebenfalls nicht mehr Rick Wakeman (auch aus gesundheitlichen Gründen, wie man hört) sondern Geoff Downes, der bereits 1980 mit YES gearbeitet hatte.
Aus dem neuen Album "Fly From Here" wurden viele Nummern gespielt, darunter auch das titelgebende "You Can Fly From Here", dessen Basis bereits 1980 als Demo für Drama eingespielt wurde, es aber nie auf das Album geschafft hatte, dazu einige Schmankerln wie "Starship Trooper", "Wonderous Strories" und "And You And I" und dann noch "Roundabout" als Zugabe...
Alles in allem ein tolles Konzert in einem wunderschönen Rahmen, die Stimme von Benoit David kommt meines Erachtens aber dann am Besten zur Geltung, wenn er nicht versucht, exakt wie Jon Anderson zu klingen...dessen Charisma hat er leider auch nicht...oder er raucht weniger...

Freitag, 25. November 2011

Heather Nova - 24.11.2011 - Wien (WUK)



Schön langsam ist das ja verdächtig! Beim letzten Konzert (Jean Michel Jarre) ist mir schon jemand wegen Krankheit ausgefallen und beim gestrigen Konzert von  Heather Nova schon wieder. Wobei der Betroffene beim letzten Mal nicht wirklich was versäumt hat, die Erkrankte diesmal aber schon. Seltsam auch, dass die beiden Betroffenen miteinander verheiratet sind…hat das irgendeine tiefere Bewandtnis?
Ich kenne Heather Nova schon seit einigen Jahren (wobei ich absolut nicht sagen kann, wie ich auf sie aufmerksam geworden bin) und ich mag jedes Ihrer Alben wirklich sehr. Egal mit wem ich in der letzten Zeit geredet habe, keiner konnte mit dem Namen irgendwas anfangen, ihre Musik ist offenbar nicht Mainstream genug, um in Österreich im Radio gespielt zu werden. Ok, das ist auch nicht wirklich schwer, was hierzulande im Äther läuft, passt auf einige wenige „Ö3 Greatest Hits“-CDs…meiner Ansicht nach größtenteils Schrott und die paar wenigen Nummern, die gut sind, werden so lange rauf und runter gespielt, bis man sie auch nicht mehr hören kann....
Wobei…“im Radio“ ist eigentlich viel zu verallgemeinernd, denn es gibt auch bei uns einige Sender, die ein breitgefächertes musikalisches Spektrum abdecken, Ö3 und Krone Hit gehören aber definitiv nicht dazu…
Umso erstaunter war ich gestern, als wir im WUK ankamen: Knapp 550 begeisterte Besucher drängten sich vor der Bühne, damit hätte ich wirklich nicht gerechnet. Ich war schon auf Konzerten da waren wir insgesamt vielleicht 60, die Musiker, Techniker und Roadies mit eingerechnet…
Heather Nova spielte mit ihren vier Begleitern – einer davon (Arnulf Lindner) sogar ein Wiener -  ein sehr schönes Set mit zum Teil ruhigen, zum Teil recht rockigen Nummern, das mit knapp 1 ½ Stunden für meinen Geschmack leider ein wenig zu kurz ausgefallen ist. Ansonsten gab's nichts auszusetzen, die Musik punktgenau gemischt, die Band und Heather Nova gut gelaunt und in ausgezeichneter Spiellaune. So ein Gig entschädigt dann wieder für den Reinfall von letzter Woche…schon die "Vorgruppe" - Heather Nova's zweite Gitarristin/Keyboardspielerin Sara Johnston - war um Klassen besser...

Samstag, 19. November 2011

Jean Michel Jarre - 17.11.2011 - Wien (Stadthalle)


Wer wie ich in den 70ern ein Teenager mit Interesse für Synthesizer war, der kam damals an Vangelis, Kraftwerk, Isao Tomita und Jean Michel Jarre nicht vorbei. Die Alben Equinoxe und Oxygen aus 1977/78 des letztgenannten waren wirklich Meilensteine elektronischer Musik. Als ich dann heuer erfuhr, dass der Tastenzauberer nach Wien kommt, wusste ich, dass ich ihn unbedingt sehen muss.
Ein Fehler. Ein großer Fehler.
Nach einer schier endlosen Zeit, in der sphärische Pling-Plongs durch Gegend wabern, geht mit einer halben Stunde Verspätung endlich das Licht aus und die ersten - als Musik identifizierbaren Klänge - ertönen. Spot in die letzte Reihe im Saal...tatsächlich...der Meister schreitet von ganz hinten quer durch den Zuschauerraum auf die Bühne, lässt sich mehr schlecht als Recht bejubeln und schüttelt einigen Besuchern die Hände.
Jetzt kann es anscheinend endlich losgehen, die Klangtupfer entwickeln sich zu Oxygene (keine Ahnung, welcher Teil, ich bringe die immer durcheinander)...
Der Meister klimpert während des gesamten Konzerts eher lustlos auf seinen Gerätschaften herum, haut alle paar Sekunden spastisch auf die elektronischen Becken, die links und rechts neben seinem Hauptsynthie stehen (wobei mir aufgefallen ist, dass das Schlagen der Becken einige Male kein Geräusch nach sich zieht, also entweder hat ein wohlmeinender Mitarbeiter an den Reglern die Lautstärke der unnötigen Dinger runtergedreht oder das Gedächtnis des Monsieur Jarre lässt nach), hängt sich ein paar Mal ein Keyboard um, um damit Soli zum Besten zu geben, die jeder halbwegs begabte Bontempi-spielende Feuerwehrfest-Alleinunterhalter besser hinbekommen hätte, bedient seine Star-Wars-Laser-Harfen und einmal ein Theremin...
Musikalisch eh eigentlich genau das, was ich mir erwartet habe, hinterlässt der der Eindruck, dass den Hauptteil seine Kollegen (drei Musiker und mehrere Sequencer) erledigen, aber dennoch einen unangenehmen Nachgeschmack.
Der Funke der Begeisterung springt nicht wirklich auf das Publikum über, Lasershows in der Qualität, wie sie dargeboten werden, sind seit Jahren in jedem größeren Kino vor Beginn der Vorstellung zu sehen und die Videos sind einfach nur...lang-wei-lig...
Wenn ich einen Sitzplatz gehabt hätte, bei dem ich rausgekommen wäre, ohne dass 15 Personen aufstehen hätten müssen, wäre ich vermutlich nach einer halben Stunde schon gegangen.
Positiv aufgefallen ist, dass er einmal eine Brille aufhat, in der eine Kamera eingebaut ist und durch die man so einen Blick auf seine Gerätschaften werfen kann und dass das Spektakel nicht mal zwei Stunden gedauert hat.
In manchen Filmen wird dem trauernden Hinterbliebenen der Rat gegeben, sich die Leiche des Verstorbenen nicht anzusehen, um den geliebten Menschen so in Erinnerung zu behalten, wie er zu Lebzeiten war. Jean Michel Jarre ist zwar nicht tot, den Konzert-Zombie hätte ich mir aber ersparen können...